Wozu dient das Bewußtsein?

Fragt man sich, „wozu dient das Bewusstsein?“, muss man erst definieren, was das Bewusstsein eigentlich ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort in verschiedensten Zusammenhängen benutzt, und oft auch, wenn der Redner „Geist“ oder „Seele“ meint. In der Theologie und in verschiedenen Religionen heißt Bewusstsein so etwa wie die unbegrenzte Wirklichkeit wahrzunehmen und man spricht von der dualistischen Natur des Bewusstseins, d.h. das Zusammenspiel zwischen Bewusstsein und Seele. In der Philosophie wird es noch vielfältiger und komplizierter!

In der Psychologie wird das Wort (unter anderem) in folgenden Zusammenhängen angewendet:

  • Bei Bewusstsein sein: hier wird der wachbewusste Zustand von Lebewesen gemeint, der sich vom Schlafzustand oder von der Bewusstlosigkeit abgrenzt.
  • Bewusstsein als phänomenales Bewusstsein: Ein Lebewesen nimmt Reize bewusst auf und erlebt sie. Man hat dann ein phänomenales Bewusstsein, wenn man zum Beispiel Schmerzen hat, sich freut, Farben wahrnimmt oder friert.
  • Bewusstsein als die Fähigkeit Gedanken zu haben: Wer also etwa denkt, sich erinnert, plant und erwartet, dass etwas der Fall ist, hat ein solches Bewusstsein. Man spricht hier in den Naturwissenschaften von der Intentionalität.
Bezogen auf diese Definitionen sagt man, dass das Bewusstsein dazu dient, Informationen der bewussten Aufmerksamkeit zu widmen bzw. zu ignorieren (herausfiltern) und Intentionalität bzw. Impulse zu setzen und zu agieren. Die zweite Funktion setzt das Erste voraus: Damit wir effizient agieren und lernen können, müssen wir den Sinn aus der Unmenge von Informationen (ca. 11 Millionen Bits/Sekunde, wovon nur 40 Bits/Sekunde bewusst bearbeitet werden) , die uns über unsere 5 Sinne (visuell/auditiv/kinästhetisch/olfaktorisch/gustatorisch) erreichen, herausfiltern.

Unser Bewusstsein ermöglicht uns diese Informationen zu filtern, d.h. unsere Aufmerksamkeit kann auf (von uns wahrgenommene) wichtige Inputs gerichtet werden und irrelevante Reize und Informationen können ausgeschaltet werden. Zum Beispiel, kann man sich auf eine Arbeit konzentrieren und alle sonstigen Reize im Umfeld, wie etwa Stimmen oder Verkehrslärm ausschalten; wir können uns bewusst entscheiden, ob wir unser Umfeld als positiv oder negativ sehen wollen und unsere Aufmerksamkeit als bewussten Filter einsetzen, um positive bzw. negative Anreize erhöht wahrzunehmen.

Überdies ermöglicht unser Bewusstsein uns, Informationen selektiv abzuspeichern. Gedächtnistechniken nützen diese Fähigkeit : Möchte man sich an etwas erinnern, dann wandelt man am besten die Information so um, dass es aufmerksamkeitserregend ist. Ein Beispiel: man will die Nummer 267 merken. Diese Zahl, so wie sie ist, wirkt für das Bewusstsein ziemlich trocken und langweilig. Wenn man jetzt Symbole für jeden Ziffer nimmt, sagen wir „Zwillinge“ für ‚2’, „Sex“ für ‚6’ und „7 Zwerge“ für ‚7’, dann kann man ein Bild bzw. einen Merksatz daraus machen;„Zwillinge, haben Sex, während 7 Zwerge zuschauen“. An diesen Satz erinnert man sich leichter als an die alleinstehende Zahl!

Letztlich, wenn wir Sinn aus allen internen und externen Informationen machen können, dann verhilft uns das Bewusstsein zu planen und Impulse setzen, oder auch unerwünschte Konsequenzen zu vermeiden, in dem das Bewusstsein (von der Gesellschaft bzw. von dem Gewissen) unakzeptables Verhalten und Wünsche unterdruckt. Zum Beispiel: man kann aus den gesammelten Erfahrungen und Lernerlebnissen eine bewusste Strategie zur Bewältigung einer Prüfung einsetzen; man möchte das letzte Keks essen, unterdrückt aber diesen Wunsch, weil man es für unhöflich hielt, dass andere keine Kekse mehr bekommen.

Wie wir wahrnehmen und wie wir dementsprechend agieren, hat dann viel mit unserer Wahrnehmung der Realität (egal ob von Situationen, Personen oder Sachen der Rede ist) zu tun. Diese Wahrnehmung verläuft zum Teil unbewusst aber wir können sie auch bewusst beisteuern, in dem wir bewusst Ziele setzen und uns selbst entscheiden, auf welche Aspekte von unserem Umfeld wir unsere Aufmerksamkeit richten wollen, sowie welche internen Bilder wir uns machen, oder wie wir unseren inneren Dialog gestalten.