Soziale Besonderheiten der Medikamentenabhängigkeit

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Die Sucht an Medikamenten unterscheidet sich zu der Sucht an anderen Substanzen durch folgende sozialen Gegebenheiten:

Soziale Akzeptanz bzw. „Normalität“

Der Abhängiger kann seines Konsums rechtfertigen, in dem er behauptet, dass Medikamente zu nehmen, etwas Normales ist und sogar etwas Gesundes ist, weil „es ja der Arzt verschrieben“. Es werden auch eventuell Argumente benutzt, die Medikamente mit Alkohol und Drogen vergleichen, die sozial verpönter sind und die als „ungesund“ und „lebens- ruinierend“ dargestellt werden.

Medikamente lassen sich gut verstecken

Medikamente können still und heimlich genommen werden und sind in diesem Aspekt vielleicht noch gefährlicher als Alkohol. Während Alkohol meistens im Lokal oder in der Öffentlichkeit konsumiert wird, ist es völlig normal, dass man sich ins Schlafzimmer, Bad oder WC zurückzieht, um Medikamente zu nehmen. Medikaments können auch sehr leicht versteckt werden (z.B. in Schuhsohlen, Gürtel, Dekolleté usw.), da sie so klein sind. Überdies haben Medikamente im Vergleich zu Alkohol kein Geruch und meistens keine offensichtliche Wirkung auf das Handeln des Menschen, d.h. man fängt nicht an zu schwanken und zeigt nicht Sprachstörungen auf.

Sozialer Wert

Medikamente können vom Arzt oder Apotheker geholt werden, die in den Köpfen von den Leuten mit dem Wert „Gesundheit“ verbunden sind. Das heißt, dass der Abhängiger gar kein „schlechtes Gewissen“ zu haben brauche, verglichen z.B. mit Heroin intravenös in der Park aufnehmen.

Medikamente sind ja da auch letztendlich zur Selbsthilfe. Wenn man verschnupft ist, kann man ja auch Medikamente ohne Rezept holen. So denken Leute über Medikamente. Der Beipacktext „Über erwünschte bzw. unerwünschte Nebenwirkungen informiert Sie Ihr Arzt oder Apotheker!“ wird dabei meistens ignoriert.