Die Rolle des Unbewusstseins beim Lernen und Forschen

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Laut Polanyi befestigen sich kognitive Prozesse in ihrem gesamten handlungsbezogenen Verlauf über eine stillschweigende Integration (tacit integration). So wird Wissen unbewusst und unterschwellig integriert und ist dann nachher auch unterschwellig (intuitiv) auch verfügbar und beruht sich nicht mehr auf logische Operationen. Ein Beispiel: lernt man ein Auto fahren, dann muss man im Anfangsstadium alle notwendigen (Fahr-)Operationen, ganz bewusst (logisch) ausführen. Fahrt man seit zehn Jahren Auto, dann muss man an dem Fahren selbst (auf der Bremse treten, Gang schalten usw.) nicht mehr bewusst denken, da alle Operationen unterschwellig verfügbar sind: sie sind stillschweigend integriert.

Um eine Leistung auszuführen, sind dann so Polanyi ein „auf einem Objekt gerichtet sein“ (z.B. die Straße, wenn man fährt) sowie das Hintergrundbewusstsein über Einzelheiten und Teilfunktionen (z.B. Gaspedale, Gänge usw.) notwendig. Diese zwei Arten von Aufmerksamkeit nennt er jeweils fokale Bewusstheit und subsidiäre Bewusstheit.

Dies betrifft auch die Forschung. Beim Suchen und Entdecken von Theorien ist auch eine fokale Bewusstheit (die Aufmerksamkeit wird auf ein Thema gerichtet) und eine subsidiäre Bewusstheit (eine intuitive Leitvision) notwendig, um Zusammenhänge herzustellen und einzelne Prozeduren Sinne und Kontext zu geben. Überdies ist ein Problembewusstsein unerlässlich. Das Problembewusstsein arbeitet im Hintergrund, d.h. es ist ein subsidiäres Prozess, das Theorien in einen Gesamtzusammenhang bettet und ermöglicht Forschern intuitiv Probleme zu erkennen, die es wert sind gelöst zu werden bzw. es ermöglicht Forschern erst zu erkennen, dass in einem gewissen Kontext es ein Problem gibt, das bisher gar nicht erfasst wurde.