Das reflektierende Team (Reflecting Team)

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Das reflektierende Team (bzw. das Reflecting Team) hat seinen Ursprung in der sogenannten Mailänder Gruppe in den 70er Jahren. Die Idee des Reflecting-Teams ist, dass die PsychotherapeutIn von einem Team unterstützt wird, das den Therapieprozess beobachtet und zu einem späteren Zeitpunkt in die Sitzung eine Außensicht in das Therapiesystemeinbringt.. Grundsätzlich besteht das Team aus einer kleineren Anzahl von Personen (2 bis 3), die dann gemeinsam ein Gespräch über das Therapiesystem führen.

So ein Gespräch über andere Personen im Raum während sie anwesend sind hat mehrere Vorteile: es kommen KlientInnen eher eine Zuhörerposition (passiv statt aktiv) und das Gesagte hat weinger Appellchaakter. Es werden dann neue Informationen, Prepektivn und Angebote gemacht aber die Entscheidung bleibt beim Therapiesystem, welche es annehmen und welche es ablehnen möchte. Dies wird von der PsychotherapeutIn auch so transparent erklärt. Zusätzlich übermittelt die Fragestellung, “was war für Sie wichtig?” oder Ähnliches, die Idee, dass die Entscheidung KlientInnen überlassen wird, was für sie dienlich und wichtig war. Wenn das “nichts” ist, dann ist dies auch zu respektiert . Dieser Prozess ist eine weitere Form des Empowerments, d.h. die Idee ist, das Konzept der Selbstwirksamkeit von KlientInnen zu stärken.

Das Reflekting-Team gibt es in unterschiedlichen Formen:

Ein Team, das sich hinter einer gespiegelten Wand befindet und nach der Sitzungspause (meistens zu Zweit) in die Sitzung kommt
Es gibt auch Reflecting Teams, die sich während der gesamten Therapiesitzung im Therapieraum befinden.
Als sogenanntes “Splitting Team”, in dem zwei Personen jeweils Gegenpositionen einnehmen, z.B. um einen inneren Kampf zwischen zwei Anteilen zu wiederspiegeln.
Beim Letzteren ist die Idee, KlientInnen einen Gedankenstoß zu geben, wie sie neue Konstellationen und Positionen finden können.

Das Reflekting Team kann auch zeitlich unterschiedlich eingesetzt werden, entweder als Schlussintervention oder während der Therapiesitzung. Das Reflekting-Team liefert einen Kommentar über die Beobachtungen des Therapiesystems und des Sitzungsverlaufes. Ein solcher Kommentar kann unter Anderem Folgendes beeinhalten:

Eine Zusammenfassung:der wichtigsten Punkte, Prozessbeschreibungen
Fragen um Ideen zu erweitern und neue Möglichkeiten (Lösungsräume) zu eröffnen
Komplimente

Richtlininen für die Arbeit im Reflecting Team

  • Kommunikation soll nur innerhalb des Refleking-Teams statt finden. Auch nonverbale Kommunikation (z.B. Blickrichtung) soll nur innerhalb des Reflekting-Teams statt- finden. Man spricht über das Therapiesystem so als ob es nicht im Raum wäre, sozusagen. Stellt man Fragen, dann sind sie innerhalb des Reflekting-Teams oder in einer indirekten Form wie “ich bin gespannt, was die Klientin daran hindert, x zu tun” zu stellen.
  • Das Reflekting-Team soll grundsätzlich Komplexität reduzieren, d.h. Vorsicht nicht zu Viel Neues einzubringen und an dem bereits Gesprochenen anschließen.
  • Kommentar sollte grundsätzlich wertschätzend und Kompetenz-bezogen (ressourcenorientiert) formuliert werden, wie etwa:
    Wofür könnte das gut sein, dass sie sich so verhalten?“
    Wie könnte das Verhalten eine Überlebensstrategie (als Kind) gewesen sein?
    Welche Wirkungen für das System hätte es, wenn der Klient sich anders verhalten würde?
  • Somit kann man die eigene Beobachterperspektive verändern, z.B. der „eiskalte Typ“ kann uminterpretiert werden, z.B. in eine Person, die einen Verlust emotional noch nicht ertragen kann.
  • Stichwörte „Energie“ und “Kraft”: diese sind sehr allgemeine Begriffe, die bei Einbau in Aussagen und Fragen den Lösungsraum tendenziell öffnen.

Nützliche Formulierungen bei therapeutischen Engpässen

Beim Zuhören frage ich mich, was es schwierig macht, für das Paar darüber zu reden, wie ihre Beziehung sinnvoll gestaltet werden kann
Ich frage mich, was es so schwierig macht, für den Klienten diese Gelegenheit heute so zögerlich zu nützen
Ich finde es bemerkenswert, wie sich dieses Paar entschieden hat, ganz wenig zu bewegen