Die Schwierigkeiten mit Intelligenztests

Home » Die Schwierigkeiten mit Intelligenztests » Allgemeine Psychologie » Die Schwierigkeiten mit Intelligenztests

Das Hauptproblem mit Intelligenzmessungen liegt in der Schwierigkeit, zu wissen, was überhaupt bemessen werden sollte. Man kann sich zum Beispiel fragen:

  • Was ist Intelligenz?
  • Gilt eine allgemeine Intelligenz, die bemessen werden kann oder gibt es verschiedene (multiple Intelligenzen), die man messen sollte?
  • Wenn ja, welche sollen dann bemessen werden und wie?
  • Was macht man mit Intelligenzen, die nicht so einfach zu quantifizieren sind, wie emotionale und soziale Intelligenz?
  • Gilt auch sensomotorische (z.B. Tanz, Sport) Leistung als Intelligenz?
  • Wenn es so viele Arten von Intelligenzen gibt, wie kann man die Leistungsausprägungen von Schulkindern beschreiben?
Es gibt natürlich keine einzige Antwort dazu und auch keine Überseinstimmung unter allen Psychologen und Wissenschaftlern. Eine Entscheidung, wie Intelligenz zu bemessen ist, hängt meistens stark von den jeweiligen theoretischen Grundlagen und Modellen, die eine Beschreibung von Intelligenz anbieten, z.B. Das I-S-T 200R beruht auf das Mehrfaktorenkonzept von Thurstone, das besagt, dass die Intelligenzstruktur eines Menschen aus 7 Primärfähigkeiten besteht. Diese sind verbales Verständnis, Wortflüssigkeit, Schlussfolgerndes Denken, Räumliche Vorstellungsvermögen, Merkfähigkeit und Gedächtnis, Rechenfähigkeit und Zahlenverständnis, Wahrnehmungsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit.

Das I-S-T 200R ist zwar relativ umfassend aber kann sogar dann nicht alle Aspekten der Intelligenz abdecken, die in den verschiedensten Theorien beschrieben werden. Sensomotorische Intelligenz wird dabei komplett vernachlässigt. Es kann durchaus sein, dass ein Proband bei dem IST 200R sehr schlecht abschneidet, ist aber sportlich sehr begabt. Der umgekehrte Fall könnt es auch geben. Deswegen wird zum Beispiel bei dem Aufnahmeverfahren für das ÖLSZ (Österreichische Leistungssportzentrum) beide die Jugendform des IST 200R sowie sportmotorische Untersuchungen angewendet.

Kritiker sagen, dass egal wie umfassend die Intelligenztests sind, die Annahme bestehend bleibt, dass die Fähigkeiten, die mit Tests oder in Laborsituationen gemessen werden, auch im Alltagsleben erforderlich sind, um neue Sinneswahrnehmungen oder intellektuelle Informationen zu analysieren und aufzunehmen, um das Handeln auf die eigenen Ziele ausrichten zu können. Diese Annahme, sagen Kritiker, ist nicht unbedingt richtig, geschweige dass Laborsituationen die Realität nie eins zu eins abbilden werden können. Das Problem zeigte sich bereits bei den von Robert Yerkes während dem ersten Weltkrieg entwickelten Army Alpha Tests. Mit diesen Tests wurden Rekruten untersucht und ihre Intelligenzleistungen nach den amerikanischen Schulnoten A bis E eingestuft, um sie mit deren Hilfe für den richtigen Einsatzbereich aufzuteilen. Soziale Einflussfaktoren und kulturelle Unterschiede wurden dabei leider komplett vernachlässigt, was zu verzerrenden Ergebnissen führte und zu zweifelhaften Schlussfolgerungen, wie zum Beispiel, dass Schwarze weniger intelligent als die weiße Bevölkerung sein sollen. In der Wirklichkeit lagen die schlechteren Ergebnisse von Schwarzen in Aspekten der damaligen Schulbildung und der Tatsachen, das in der amerikanischen Gesellschaft Schwarzen keinen gleichberechtigten Zugang hatten.

Trotz der Kritik und selbst gesehener Mängel der Daten von den Army Alpha Tests dienten die Daten zur rassistischen Argumenten gegen bestimmte Einwanderergruppen. Ab 1924 waren sie sogar Grundlage von Einwanderungsbeschränkungen der USA. Hier zeigt sich noch eine Problematik von Intelligenztests: Missbrauch. Intelligenztests sollten nicht nur den Interessen der Ausführender bzw. der Auftraggeber dienen, sondern vor allem denen der Getesteten selbst, z.B. um ihnen zu helfen, ihre Entwicklungspotentiale zu realisieren, um adäquate und angemessene Ausbildungen vorzuschlagen usw.