Der hermeneutische Zirkel

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Der hermeneutische Zirkel beschreibt folgendes Paradox: das, was verstanden werden soll (wie etwa ein Problem), muss erst gesehen, erkannt und verstanden werden, damit der Sinn und Bedeutung der Situation überhaupt erfasst werden kann. Ein Beispiel um dies zu veranschaulichen: Wahrnehmungstheorie ist eine Reflexion über die Wahrnehmung und versucht die Wirklichkeit der Wahrnehmung zu verstehen, geht aber gleichzeitig von einem Verständnis für die Wahrnehmung aus. Das heißt, dass das Verstehen der Wahrnehmung einen ständigen Rückbezug auf das eigene Vorverständnis der Wahrnehmung seitens des Wissenschaftlers verlangt.

Verstehen im hermeneutischen Sinn (Hermeneutik = Kunst des Auslegens, Übersetzens und Interpretierens, die zum Verstehen führt) ist nicht geradlinig sondern zirkelförmig. Man spricht hier bei dem hermeneutischen Zirkel von dem dynamischen Austausch (ständige Wechselwirkung) zwischen Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt bzw. zwischen Mensch und Welt. Ein Forscher zum Beispiel wird auch durch seiner Auseinandersetzung mit seinem Erkenntnisobjekt verändert (durch seine Erfahrungen), wenn er versucht dieses zu verstehen.